Generationennetz ist Leuchtturm-Angebot

Der Verein wurde für seine Förderung von Senioren vom Land ausgezeichnet. Beratung auch in Rotthausen

(J.H.) Welche Freizeitangebote gibt es für ältere Menschen? Wer hilft mir, Anträge auszufüllen oder begleitet mich auch schon mal ins Theater? Um diese und viele weitere Fragen kümmern sich Mitarbeitende des Generationennetzes, das jüngst von Sozialminister Karl-Josef Laumann als „Leuchtturm-Angebot“ ausgezeichnet wurde.

Für die Rotthauser im Generationennetz im Einsatz (v.l.): Annika Schwartz, Werner Backhaus und Sabine Pieniak. Foto: Jennifer Humpfle

„Angefangen hat alles 2009“, erinnert sich Werner Backhaus, einer der beiden Seniorenvertreter/Nachbarschaftsstifter des Generationennetzes, die für Rotthausen im Einsatz sind. „In der Zeitung las ich, dass die Stadt ältere Menschen sucht, die Sprechstunden für andere Ältere anbieten.“ Aus anfangs 28 „SeNas“, wie die Ehrenamtlichen häufig genannt werden, sind im Laufe der Jahre um die 90 geworden. In Qualifizierungen wurden sie für ihren Einsatz vorbereitet. Fünf Infocenter wurden auf Gelsenkirchener Stadtgebiet errichtet – „die decken sich in etwa mit den BVs.“

Beratung in allen Angelegenheiten ums Älterwerden

Seither kümmern sich die ehrenamtlichen Nachbarschaftsstifter und die hauptberuflichen Mitarbeitenden in den Infocentern um die Belange Gelsenkirchener Senioren. „Wir beraten in allen Angelegenheiten, die das Älterwerden betreffen, von Freizeit- und Kulturangeboten bis hin zum Thema Pflege“, fasst Annika Schwartz, die für Rotthausen, Schalke und Schalke-Nord im Infocenter zuständig ist, zusammen. „Was das Generationennetz für die Senioren in Gelsenkirchen geschaffen hat, ist schon toll.“ Teilhabe sei das entscheidende Stichwort: „Die Senioren sind nicht nur dabei, sondern entscheiden und gestalten aktiv mit.“

Das Konzept überzeugte auch die Fachjury des Projekts „Nordrhein-Westfalen – hier hat alt werden Zukunft“, die das Generationennetz als eins von 15 Leuchtturm-Angeboten, die in herausragender Art und Weise die Teilhabe und Integration älterer Menschen in NRW fördert, auszeichnete. „Das Generationennetz vereinbart Standards, schafft Kooperationen und entwickelt und begleitet verschiedene Angebote. Es ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die aktive und wertschätzende Gestaltung des demografischen Wandels in der Stadt und ich freue mich, dass diese wichtige Arbeit und damit das Engagement unserer Senioren durch das Land ausgezeichnet wurden“, sagt Julius Leberl, Senioren- und Behindertenbeauftragter der Stadt. Neben einer Urkunde wird für den Verein in Bälde ein Imagefilm gedreht. „Das ist wirklich toll, denn wir möchten noch mehr Menschen auf uns aufmerksam machen“, sagt Annika Schwartz.

Sabine Pieniak ist seit eineinhalb Jahren als SeNa aktiv. „Ich habe mich zunächst in den Seniorenwohnungen vorgestellt und einen Fragebogen entwickelt, damit die Menschen uns mitteilen können, was sie sich wünschen“, erklärt die 57-Jährige. Leider seien sehr wenige Rückmeldungen gekommen. „Wir haben eine Bastelstunde eingerichtet, und dann kam Corona.“ Auch ein Rollatortraining mit der Bogestra war schon vereinbart. Dafür gebe es jetzt aber einen neuen Termin im Oktober. Durch Corona seien viele Senioren noch zurückhaltender: Die im Sommer letzten Jahres angebotenen Spaziergänge wurden nicht angenommen. „Wir hoffen, dass sich die Lage bald wieder etwas entspannt und die Menschen nicht mehr so viel Angst haben.“

Mit Herzblut für Rotthausen im Einsatz

Ideen haben Sabine Pieniak und Werner Backhaus genug. Sie ist gebürtige Gelsenkirchenerin und lebt seit 2014 in Rotthausen. Ihre Motivation zieht sie aus ihrem früheren Job: „Ich habe lange als Krankenschwester in der ambulanten Pflege gearbeitet und gesehen, wie das soziale Netz wegbricht, wenn Menschen älter und krank werden.“ Deshalb war sie vom Generationennetz direkt angetan.
Werner Backhaus kam 1973 nach Rotthausen. Der 79-Jährige ist gebürtiger Krefelder, „aber hier habe ich meine zweite Heimat gefunden.“ Für ihn ist es ein Phänomen wie sich die Stadt nach dem Ende des Bergbaus verwandelt hat.

Beide sind mit Herzblut bei der Sache und haben in Gerontologin Annika Schwartz (25) ihre feste und zuverlässige Anlaufstelle. „Eine Zeit lang gab es bei uns den Spruch: Wir wechseln zwar keine Glühbirnen, aber wir wissen, wer das macht“, sagt Werner Backhaus und schmunzelt. Aber genauso sei es: „Wenn wir mal nicht weiterwissen, wissen wir zumindest, welcher Ansprechpartner weiterhelfen kann“.


Info
Der Verein Generationnetz Gelsenkirchen wird von der Stadt getragen. Dazu gehören fünf Infocenter, das Mehrgenerationenhaus, die Techniktreffs, die Außenstellen der Infocenter, die SeNas, die ZWAR-Gruppen, die Kulturbegleiter, die Technikbotschafter, die Spaziergangspaten und die Projektwerkstatt 50+.

Die Sprechstunde in Rotthausen ist immer mittwochs von 15 bis 17 Uhr in den Räumen des Bürgervereins an der Karl-Meyer-Straße 47. Infos gibt es unter www.generationennetz-ge.de