In Rotthausen enteignet – in Auschwitz ermordet

Auch die Flucht nach Holland konnte Familie Heymann nicht vor den Nazis schützen

Was der damalige Profiteur der Arisierung, Bernhard Strickling, über die Hintergründe der Übernahme des Heymann-Kaufhauses wusste, ist nicht bekannt. Auch nicht seinen Enkelkindern, die jetzt Verantwortung übernommen haben.

Das einstige Kaufhaus Heymann in der Karl-Meyer-Straße.

Und so soll sich auch hier der Geschichte der Familie Hermann Heymann gewidmet werden, von der leider nur Bruchstücke bekannt sind. Laut Auskunft des Stadtarchivs und des Instituts für Stadtgeschichte sind keinerlei Archivalien mit Bezug zur Familie Hermann Heymann vorhanden.

Bekannt ist, wo sie gelebt hat, dass sie diskriminiert, verfolgt, entrechtet und schlussendlich ermordet wurde. Ebenso bekannt ist, dass sie staatlich legitimiert ihres Besitzes beraubt wurde. In der Gelsenkirchener Stadtchronik ist unter dem 3. Februar 1939 zu lesen: „Das frühere jüdische Kaufhaus Heymann & Co. in Rotthausen ist in die Hände des Kaufmanns Bernhard Strickling übergegangen.“

Nach dem Verlust ihrer Existenzgrundlage floh Familie Heymann am 12. April 1939 in vermeintliche Sicherheit nach Holland. Doch die Hoffnung auf eine friedvolle Zukunft hielt nicht lang: Am 10. Mai 1940 überfiel die deutsche Wehrmacht die Niederlande. Familie Heymann wurde am 25. Februar 1941 von der Sicherheitspolizei in ihrer Wohnung in Assen verhaftet und im Flüchtlingslager Westerbork eingesperrt. Die letzte Hoffnung starb vermutlich am 18. Januar 1944, dem Tag ihres Abtransports ins sogenannte „Familienlager“ Theresienstadt Auschwitz und von dort nach Auschwitz-Birkenau, das größte Vernichtungslager in der Nazizeit.
Am 6. Oktober 1944 wurde dort ein Menschentransport ins benachbarte Auschwitz zusammengestellt – eine Fahrt in den sicheren Tod: Hermann Heymann wurde am 7. Oktober ermordet, seine Frau Erna und Tochter Ellen Margrit am 8. Oktober.


Info

Projektgruppe Stolpersteine GE

25 Stolpersteine hatte Bildhauser Gunter Demnig bei seiner jüngsten Reise nach Gelsenkirchen im Gepäck. Allesamt wurden diese am 18. Juni verlegt. Sie erinnern an die ermordeten Mitglieder von sieben jüdischen Familien, darunter die Heymanns aus Rotthausen.

Nähere Informationen zur Aktion und zu allen Stolpersteinen in Gelsenkirchen gibt es unter www.stolpersteine-gelsenkirchen.de und www.gelsenzentrum.de.

Der Arbeit dieser Projektgruppe entstammen auch die Hintergrund-Informationen auf dieser Seite, die zusammengetragen wurden von den RoPo-Mitarbeitern Georg Gerecht, Günter Iwannek und Frank Winter.