Mit wenigen Handgriffen Schmerzen lindern

Chirotherapie ist ein Schwerpunkt der Allgemeinmedizinerin Patricia Heling

Patricia Heling fühlt sich in Rotthausen wohl. Sie mag die Vielfalt. Foto: Humpfle

Patricia Heling fühlt sich in Rotthausen wohl. Sie mag die Vielfalt. Foto: Humpfle

Mit einigen wohlgesetzten Handgriffen Menschen helfen – die Chirotherapie ist ein Schwerpunkt der Allgemeinmedizinerin Patricia Heling (Straßburger Weg 4). Warum sie diese Disziplin so fasziniert und was ihre Arbeit in Rotthausen ausmacht, erzählt sie im Interview mit Jennifer Humpfle von der Rotthauser Post.

Welchen Bezug haben Sie zu Rotthausen?
Ich war vorher schon in Gelsenkirchen in einer Gemeinschaftspraxis als angestellte Ärztin tätig. Dann hat es sich ergeben, dass ich hier die Praxis von einem verstorbenen Kollegen übernehmen konnte. Ich kannte Rotthausen vorher gar nicht.

Und wie gefällt es Ihnen?
Gut. Es ist bunt gemischt. Das finde ich sehr schön, weil das Miteinander spannend und abwechslungsreich ist. Ich habe den Eindruck, dass es ein sehr familiärer Stadtteil ist, wo jeder jeden kennt. Die Menschen sind sehr verwurzelt.

Auf Ihrem Schild steht Sportmedizin. Haben Sie noch weitere Schwerpunkte?
Ich habe neben der Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin die Ausbildung zur Chiro- bzw. Manualtherapeutin gemacht.

Haben Sie viele Patienten mit Sportverletzungen?
Manchmal ja. Ich komme eigentlich aus chirurgischen Fächern, habe meine Facharztausbildung in der Orthopädie und der Neurochirurgie angefangen. Dann habe ich mich aber doch für Allgemeinmedizin entschieden. Da ich aber schon immer von der manuellen Therapie begeistert war, habe ich die parallel dazu gemacht. Die Kombination passt einfach gut, denn Rückenbeschwerden haben viele und beim Facharzt wartet man oft lange auf einen Termin.

Chirotherapie wirkt manchmal wie Zaubermedizin

Bei Ihnen gibt es also schnelle Hilfe?
Die Chirotherapie kommt mir heute manchmal noch vor wie Zaubermedizin (lacht). Ich fasse die Patienten an, mobilisiere beispielsweise ein Gelenk und die stehen auf und sagen, ich kann wieder laufen oder es tut nicht mehr weh. Das hilft vielen und spart eine Menge Tabletten und Spritzen. Ich bin selbst immer wieder erstaunt und begeistert, wie toll das hilft und wie schnell es geht. Akute Sportverletzungen gehören aber natürlich zum Chirurgen oder Orthopäden.

Wie groß war die Umstellung von angestellt zu selbstständig?
Das ist eine große Herausforderung, weil man sich nicht nur um meine Patienten und die Medizin kümmern muss, sondern um alles. Ich habe einen Betrieb zu führen, trage Verantwortung für meine Angestellten. Man muss alles im Blick haben. Wenn es im medizinischen Bereich aber mal an organisatorischen Dingen klemmt, sind wir Hausärzte gut vernetzt. Das ist ein sehr nettes miteinander – es ist kein Konkurrenzdenken. Jeder kann von den Professionalitäten des anderen profitieren.

Das Netzwerk griff auch zu Beginn der Pandemie?
Genau. Corona war schon ein ordentlicher Einschnitt. Wir Hausärzte haben uns mit den Hausbesuchen abgewechselt. Auch jetzt mache ich Hausbesuche nur, wenn es nicht anders geht. Organisatorisch war es eine Herausforderung. Nicht nur, dass man Scheiben aufgestellt hat und der Eingang der Praxis nicht mehr der Ausgang ist. Auch die Maskenpflicht und die vielen organisatorischen Aufwände waren sowohl für Patienten als auch für das Praxisteam eine große Umstellung. Zum Glück haben meine Patienten dafür viel Verständnis.

Wie klappt es mit dem Impfen?
Eigentlich gut. Es ist eine Herausforderung, die wir alle unterschätzt haben – auch aufgrund der Bürokratie. Der organisatorische Aufwand ist unglaublich. Beispielsweise liegen in den Impfzentren die Aufklärungsbögen in Kisten bereit. Die erhalten sie von einer Druckerei. Wir müssen uns alles aus dem Internet ziehen, selber ausdrucken, zusammenheften – das kostet nicht nur Material, sondern vor allem Zeit. Dann die umständliche Bestellung der Impfstoffe. Erst wenn ich genau weiß, wie viel ich für die Woche erhalte, kann ich meinen Patienten Bescheid geben. Ich impfe mittlerweile an einem Nachmittag, an dem ich normalerweise Sprechstunde habe und ganz ehrlich, da zahlen wir drauf.

Das Impfen geht gut voran, auch wenn es viel Arbeit ist

Sicherlich gibt es dann noch Diskussionen um den Impfstoff…
Allerdings, viele wollen nicht mit AstraZeneca geimpft werden. Wenn man sich an die Wahrscheinlichkeiten hält, ist das Risiko, an einer Sinusvenenthrombose zu erkranken, vergleichbar mit der Wahrscheinlichkeit mit einem Flugzeug abzustürzen. Wir erklären oft, dass AstraZeneca ein guter, sicherer Impfstoff ist, aber da ist die Sorge oft größer – sicherlich auch durch die Medien. Aber wir freuen uns, dass es gut vorangeht und hoffentlich bald alle unsere Patienten versorgt sind.

Sie tragen keinen Doktortitel. Sprechen ihre Patienten Sie darauf an?
Als ich hier angefangen habe, haben mich manche drauf angesprochen. Manche sagen trotzdem Frau Doktor, auch wenn ich das eigentlich gar nicht will. Wenn es mir zu häufig wird, sage ich immer: ich bin kein Doktor, ich bin Arzt.


Zur Person
Patricia Heling (60) kommt gebürtig aus der Nähe von Koblenz und lebt seit 24 Jahren in Gelsenkirchen. Studiert hat sie in Bochum, Bonn und Hamburg. An ihrer Seite stehen ihr Lebenspartner und ihre beiden Töchter. In ihrer Freizeit fotografiert Patricia Heling sehr gerne. Sie ist begeisterte Skifahrerin und spielt Tennis.